Jeder Unternehmer macht früher oder später die Erfahrung, daß er seine Leistung gegenüber dem Kunden zwar zu dessen Zufriedenheit erbringt, der Kunde gleichwohl seiner vertraglichen Pflicht, nämlich der Bezahlung der Leistung, verspätet, nur teilweise oder überhaupt nicht nachkommt. Diese Außenstände, die notwendige Liquidität entziehen, können ein Unternehmen mitunter sogar in die Insolvenz treiben.

Was bedeutet Inkasso? 
Unter dem Begriff Inkasso versteht man nach rechtlicher Definition die „Einziehung fremder oder zu Einziehungszwecken abgetretener Forderungen, die geschäftsmäßig betrieben wird“. Es kann sich hierbei um Rechnungen, Wechsel, Schecks oder andere fällige Forderungen handeln

Wie funktioniert Inkasso?

  1. Sie übermitteln die zur Forderung gehörenden Unterlagen (z.B. Vertrag, Lieferschein, Regiezettel, Rechnung) an unsere Kanzlei.
  2. Wir prüfen dann zunächst im Vorfeld, ob gegen die Forderung Einwendungen durch den Schuldner geltend gemacht werden können (z.B. Verjährungseinrede, Sachmängel etc) und ob die Verzugsvoraussetzungen gegeben sind.
  3. Der Schuldner wird dann schriftlich durch uns letztmals zur Zahlung der Forderung aufgefordert, wobei Verzugszinsen und Anwaltskosten bereits eingefordert werden.

Was passiert, wenn der Schuldner weiterhin nicht zahlt? 
Sollte der Schuldner auch auf unser Schreiben nicht reagieren, wird üblicherweise je nach Vereinbarung mit dem Mandanten ohne weitere Rücksprache sofort Mahnbescheid beantragt. Auch die damit verbundenen Kosten sind vom Schuldner zu ersetzen.

Um jedoch nicht gutes Geld schlechtem Geld hinterherzuwerfen, wird zunächst immer und ausnahmeslos durch uns geprüft ob der Schulder, je nachdem ob Geschäftskunde oder Privatkunde, gegebenenfalls bereits schon insolvent oder im Schuldnerverzeichnis gelistet ist. In diesen Fälle werden weitere Maßnahmen durch Rücksprache mit dem Mandanten abgestimmt.

Es kann durchaus sinnvoll sein, das Verfahren auch in solchen vermeintlich aussichtslosen Fällen weiterzubetreiben, da rechtlich festgestellte bzw. vollstreckbare (sog. titulierte) Ansprüche gem. § 197 BGB erst in 30 Jahren verjähren und somit zumindest die Aussicht besteht, gegebenenfalls, wenn auch spät, so doch noch an sein Geld zu kommen.

Was passiert, wenn der Schuldner gegen den Mahnbescheidsantrag Widerspruch erhebt?
Grundsätzlich kann der Schulder das Mahnbescheidsverfahren dadurch stoppen, daß er gegen die Beantragung des Mahnbescheides Widerspruch einlegt. Der Widerspruch kann sich gegen Teile der Forderung oder gegen die Forderung insgesamt richten und bedarf keiner Begründung.

In diesem Fall muß der Antrag aus dem Mahnbescheid begründet werden und geht nach Abgabe an das zuständige Gericht in das Klageverfahren über.

Sofern die Forderung mehr als 5.000 EUR beträgt, muß spätestens ab diesem Zeitpunkt zwingend ein Rechtsawalt beauftragt werden, da ab einem Streitwert von 5.000,01 EUR das Landgericht zuständig ist und vor dem Landgericht Anwaltszwang herrscht.

Wer trägt die Kosten des Rechtsanwaltes? 
Sofern sich der Schuldner (Kunde) in Verzug befindet, hat er den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen. Hierzu gehören neben den Verzugszinsen auch die Kosten der Beauftragung eines Rechtsanwaltes zur Einziehung der Forderung.

Bisher geriet der Schuldner außer im Falle von besgonderen Vereinbarungen nur dann in Verzug, wenn aufgrund einer Mahnung ein Zahlungstermin nach Kalender bestimmt wurde oder eine nach dem Kalender bestimmte Fälligkeit festgesetzt wurde.

Wann liegt Verzug vor? 
Nach der seit 01.01.2002 geltenden Rechtslage kommt der Schuldner grundsätzlich automatisch 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang einer Rechnung oder einer gleichwertigen Zahlungsaufforderung in Verzug, ohne daß es einer Mahnung bedarf. Bei Forderungen aus wiederkehrenden Geldleistungen (z.B. Miete) wird der Verzug weiterhin durch eine nach dem Kalender bestimmte Fälligkeit festgesetzt.

Aber Achtung: 
Dies gilt gegenüber einem Schuldner, der Verbraucher ist, nur, wenn auf diese Folgen in der Rechnung oder Zahlungsaufstellung besonders hingewiesen worden ist.

Beispielsweis sollte auf der Rechnug oder Zahlungsauffirderung folgender Hinweis angebracht werden: 
„Bitte beachten Sie folgenden Hinweis: Der Schuldner einer Entgeltforderung kommt spätestens in Verzug, wenn er nicht innerhalb von 30 Tagen nach Fälligkeit und Zugang einer Rechnung oder gleichwertigen Zahlungsaufstellung leistet, § 286 Abs. 3 BGB“

Darüber hinaus kommt der Schulnder unabhängig von der 30-Tage-Frist auch schon vorher in Verzug durch Mahnung des Gläubigers. Erforderlich ist eine eindeutige Zahlungsaufforderung vom Gläubiger, die fällige Forderung zu begleichen. Der Verzug beginnt in diesem Fall also mit der Zustellung der Mahnung an den Schuldner. Ein Problem besteht für den Gläubiger teilweise darin, zu beweisen, wann dem Schuldner die Mahnung zugestellt werden konnte.

Eine Mahnung ist für den Verzug entbehrlich, wenn durch ein Kalenderdatum (z.B. in einem Vertrag oder auf der Rechnung) bestimmt wird, bis wann die Forderung vom Schuldner zu begleichen ist. Lässt der Schuldner die Zahlungsfrist verstreichen, befindet er sich ab dem Tag im Zahlungsverzug, der auf den letzten Tag der Zahlungsfrist folgt. Geht z.B. die Zahlungsfrist bis zum 28.08., befindet sich der Schuldner ab dem 29.08. in Zahlungsverzug

Was bedeutet Verzugsschaden? 
Ab dem Zeitpunkt, zu dem sich der Schuldner im Zahlungsverzug befindet, können die Kosten, die für die Eintreibung von Forderungen anfallen, als Verzugsschaden gegenüber dem Schuldner geltend gemacht werden.

Erstattungsfähig sind entsprechende Kosten jedoch nur, wenn sie dem Verzug des Schuldners direkt zugerechnet werden können. Dementsprechend können Kosten für die Tätigkeit von unternehmenseigenen Mitarbeitern für die Eintreibung von Forderungen nicht als Verzugsschaden geltend gemacht werden, die Beauftragung eines Rechtsanwaltes dagegen schon.

Typische Kosten im Sinne von Verzugsschäden sind:

  • Portokosten
  • Verzugszinsen
  • Kosten für einen beauftragten Rechtsanwalt
  • Gerichtskosten für Mahnbescheid
  • Kosten für Mahnschreiben nach Eintritt des Verzuges (gerichtlich anerkannt sind hier 2,50 ?/ Mahnung)

Darüber hinaus können insbesondere Kosten für Auskünfte (z.B. zur Ermittlung des Wohnortes des Schuldners) und Kosten für Bankrücklasten neben der Hauptforderung gegenüber dem Schuldner geltend gemacht werden.